Kasachstan / Turkmenistan / Usbekistan 2025
Von Köln nach Kasachstan
Samstag 05.10. Tag 1
Geburtstage können manchmal ganz schön seltsam sein. Normalerweise steht man morgens auf, scrollt durch die Glückwünsche auf dem Handy und fragt sich kurz, ob man sich eigentlich schon so alt fühlt, wie man jetzt ist. Nicht so an diesem Samstag.
Denn diesen Geburtstag begann ich etwas anders. Mit gepacktem Rucksack und dem vagen Ziel, irgendwo in Zentralasien zu landen, ging es Richtung Flughafen. Kasachstan. Aktau, um genau zu sein. Eine Stadt am Kaspischen Meer, von der ich vor einigen Wochen noch nicht mal wusste, dass es sie gibt.
Eigentlich sollte es mit Schmitt Richtung Baltikum gehen.
Mein Kollege hatte aber kurzfristig abgesagt. Auch, wenn ich ihm das nicht ernsthaft übel nehmen konnte, stand ich jetzt alleine da, ohne gebuchten Flug, aber bereits eingereichtem Urlaub. Was macht man also in so einer Situation? Absagen? Zuhause bleiben und den Geburtstag auf der Couch verbringen?
Natürlich nicht.
Kurzerhand entdeckte ich nur zwei Wochen vor geplantem Zeitraum super günstige Flüge nach Zentralasien hin und zurück für unschlagbare 160€. Da konnte ich nicht nein sagen. Also ab nach Kasachstan. Ich packte die Tasche und dann sollte es auch schon direkt los gehen. Es gibt Schlechteres, als an seinem Geburtstag alleine nach Kasachstan zu fliegen. Das sage ich mir zumindest selbst.
Die Fahrt zum Flughafen in Köln war dann so unspektakulär, wie es eben nur sein kann. Kein Stau, kein Drama, nichts.
Der erste Flug ging nach Istanbul. Drei Stunden, nichts Besonderes, man kennt das. Die Zeit nutzte ich, um zumindest ein bisschen in mich hinein zu horchen, was dieses Ziel eigentlich mit mir macht. Kasachstan. Ich meine wirklich, wer fliegt an seinem Geburtstag nach Kasachstan?
In Istanbul gab es dann zunächst mal einen Aufenthalt. Und was macht man an seinem Geburtstag, auf einem Flughafen in der Türkei, wenn man alleine unterwegs ist?
Man gönnt sich.
Also setzte ich mich in ein Restaurant und bestellte mir was Ordentliches. Eine kleine Geburtstagsfeier ganz für mich alleine in Istanbul, quasi. Nicht ganz das, was ich mir vielleicht vorgestellt hätte, aber irgendwie hatte das auch seinen eigenen Charme.
Generell muss man sagen, ist Istanbul SAW immer, sagen wir mal, eine Erfahrung für sich. Was hier abgeht, ist nicht mehr normal. Chaos pur und definitiv zu viele Menschen. Immerhin ging der Flug pünktlich und mehr wollte ich ja gar nicht.








Ab hier wurde der Tag dann deutlich entspannter. Im Flieger schaute man sich irgendwas an, döste ein bisschen weg und ließ die Zeit vergehen. Es war insgesamt ein langer Tag gewesen bis dahin und so war man einfach froh, sich nicht mehr durch große Menschenmassen bewegen zu müssen.
Irgendwann dann landeten wir in Aktau.
Aktau. Kaspisches Meer. Kasachstan. Die Worte klangen in meinem Kopf immer noch etwas unwirklich.
Und dann fiel mir beim Landen noch etwas anderes ein. Erst vor etwa einem Jahr war hier in Aktau ein Flugzeug abgestürzt. Man denkt in solchen Momenten dann natürlich erstmal „ach du scheiße“ aber naja, also wenn das vor nem Jahr erst passiert ist, ist die Wahrscheinlichkeit ja noch geringer, dass es jetzt erneut passiert. Letztlich natürlich umsonst Gedanken gemacht. Wie immer ganz normal gelandet. Alles gut. Weiter.
Die Einreise nach Kasachstan überraschte mich dann positiv. Es ging tatsächlich schnell. Keine große Warterei, keine umständlichen Fragen, alles ziemlich reibungslos. Für ein Land, welches man nicht unbedingt mit Bürokratie-Effizienz in Verbindung bringt, war das schon bemerkenswert.
Was mich dann allerdings doch kurz aus dem Konzept brachte, war der Typ in Uniform, der mich am Kontrollpunkt musterte.
Der war höchstens zwölf Jahre alt. Ich übertreibe nicht. Ein Kind in Uniform, der da stand, als wäre das die normalste Sache der Welt. Und er selbst schien das auch so zu sehen, denn er war extrem locker und entspannt dabei. Kein bisschen nervös, kein bisschen unsicher. Einfach so ein Kindersoldat, der seinen Job macht, als wäre er schon sein halbes Leben dabei. Was wohl fast auch stimmt.
Willkommen in Kasachstan.
Ich holte mir noch schnell Bargeld am nächsten Automaten und auch das Taxi zum Hotel war dann unkompliziert. Draußen war es dunkel und ich versuchte, durch die Scheibe noch irgendetwas von Aktau zu erkennen. Erster Eindruck: flach, weit, anders. Mehr konnte man bei dieser Dunkelheit nicht sagen.
Am Hotel angekommen checkte ich ein, warf meinen Rucksack ins Zimmer und ließ mich aufs Bett fallen.
Was für ein langer Tag. Köln, Istanbul, Aktau, Kasachstan. Alleine. An meinem Geburtstag.
Auf direktem Wege wurde dann geschlafen.


Tag eins in Aktau, Kasachstan
Montag 06.10. Tag 2
Nach dem langen ersten Tag und dem nicht ganz kurzen Abend, war heute Morgen erstmal ausschlafen angesagt. Und damit meine ich wirklich ausschlafen. Kein Wecker, kein Flieger, kein gar nichts.
Nachdem ich also halbwegs erholt aus den Federn kam, machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Und wenn man Aktau zum ersten Mal bei Tageslicht auf sich wirken lässt, dann ist das schon... sagen wir mal eine Erfahrung. Die Stadt ist geprägt von massiven Sowjetbauten, welche aussehen, als hätten sie seit der letzten Renovierung ungefähr genau so viel Pflege bekommen wie die Passagiere am Flughafen Istanbul nach acht Stunden Verspätung. Und die Karren hier passen sich dem Sowjet-Charme perfekt an – die meisten Autos haben optisch wohl die gleiche Ära miterlebt, wie die Gebäude.
Zunächst war erstmal ein Supermarkt das Ziel, um mich einzudecken und mir einen ersten Eindruck zu verschaffen. Zentralasien im Supermarkt ist immer eine eigene Welt. Irgendwie alles gleichzeitig vertraut und komplett fremd. Nach dem obligatorischen Supermarktbesuch folgte dann natürlich das erste lokale Bier. So gehört es sich schließlich.
Rund um das Stadtzentrum war allerdings wirklich nicht viel los. Hier ist quasi nix. Und das meine ich absolut ernst. Alles wirkte irgendwie ein wenig eingestaubt und abgeranzt, was dem Ganzen aber gleichzeitig einen sehr authentischen Charme verlieh. Es gibt Orte auf der Welt, die versuchen touristisch zu sein und dann gibt es Aktau.


Da die Stadt selbst mich nicht allzu lange fesseln konnte, zog es mich Richtung Küste. Das Wetter spielte perfekt mit und das Wasser des Kaspischen Meeres war am heutigen Tag gut aufgelegt. So schönes Wasser hätte ich hier nicht unbedingt erwartet.
Ich ging entlang der Steilküste und ließ mir einfach die Sonne ins Gesicht scheinen. Die Steilwände mit dem funkelnden Wasser darunter hatten wirklich was. Sowas muss man einfach selber gesehen haben.