
Anreise von Köln nach Aktau: Flugerfahrungen, Transit in Istanbul und der erste Eindruck in Kasachstan
Samstag 05.10. Tag 1
Geburtstage können manchmal ganz schön seltsam sein. Normalerweise steht man morgens auf, scrollt durch die Glückwünsche auf dem Handy und fragt sich kurz, ob man sich eigentlich schon so alt fühlt, wie man jetzt ist. Nicht so an diesem Samstag.
Denn diesen Geburtstag begann ich etwas anders. Mit gepacktem Rucksack und dem vagen Ziel, irgendwo in Zentralasien zu landen, ging es Richtung Flughafen. Kasachstan. Aktau, um genau zu sein. Eine Stadt am Kaspischen Meer, von der ich vor einigen Wochen noch nicht mal wusste, dass es sie gibt.
Eigentlich sollte es mit Schmitt Richtung Baltikum gehen.
Mein Kollege hatte aber kurzfristig abgesagt. Auch, wenn ich ihm das nicht ernsthaft übel nehmen konnte, stand ich jetzt alleine da, ohne gebuchten Flug, aber bereits eingereichtem Urlaub. Was macht man also in so einer Situation? Absagen? Zuhause bleiben und den Geburtstag auf der Couch verbringen?
Natürlich nicht.
Kurzerhand entdeckte ich nur zwei Wochen vor geplantem Zeitraum super günstige Flüge nach Zentralasien hin und zurück für unschlagbare 160€. Da konnte ich nicht nein sagen. Also ab nach Kasachstan. Ich packte die Tasche und dann sollte es auch schon direkt los gehen. Es gibt Schlechteres, als an seinem Geburtstag alleine nach Kasachstan zu fliegen. Das sage ich mir zumindest selbst.
Die Fahrt zum Flughafen in Köln war dann so unspektakulär, wie es eben nur sein kann. Kein Stau, kein Drama, nichts.
Der erste Flug ging nach Istanbul. Drei Stunden, nichts Besonderes, man kennt das. Die Zeit nutzte ich, um zumindest ein bisschen in mich hinein zu horchen, was dieses Ziel eigentlich mit mir macht. Kasachstan. Ich meine wirklich, wer fliegt an seinem Geburtstag nach Kasachstan?
In Istanbul gab es dann zunächst mal einen Aufenthalt. Und was macht man an seinem Geburtstag, auf einem Flughafen in der Türkei, wenn man alleine unterwegs ist?
Man gönnt sich.
Also setzte ich mich in ein Restaurant und bestellte mir was Ordentliches. Eine kleine Geburtstagsfeier ganz für mich alleine in Istanbul, quasi. Nicht ganz das, was ich mir vielleicht vorgestellt hätte, aber irgendwie hatte das auch seinen eigenen Charme.
Generell muss man sagen, ist Istanbul SAW immer, sagen wir mal, eine Erfahrung für sich. Was hier abgeht, ist nicht mehr normal. Chaos pur und definitiv zu viele Menschen. Immerhin ging der Flug pünktlich und mehr wollte ich ja gar nicht.








Ab hier wurde der Tag dann deutlich entspannter. Im Flieger schaute man sich irgendwas an, döste ein bisschen weg und ließ die Zeit vergehen. Es war insgesamt ein langer Tag gewesen bis dahin und so war man einfach froh, sich nicht mehr durch große Menschenmassen bewegen zu müssen.
Irgendwann dann landeten wir in Aktau.
Aktau. Kaspisches Meer. Kasachstan. Die Worte klangen in meinem Kopf immer noch etwas unwirklich.
Und dann fiel mir beim Landen noch etwas anderes ein. Erst vor etwa einem Jahr war hier in Aktau ein Flugzeug abgestürzt. Man denkt in solchen Momenten dann natürlich erstmal „ach du scheiße“ aber naja, also wenn das vor nem Jahr erst passiert ist, ist die Wahrscheinlichkeit ja noch geringer, dass es jetzt erneut passiert. Letztlich natürlich umsonst Gedanken gemacht. Wie immer ganz normal gelandet. Alles gut. Weiter.
Die Einreise nach Kasachstan überraschte mich dann positiv. Es ging tatsächlich schnell. Keine große Warterei, keine umständlichen Fragen, alles ziemlich reibungslos. Für ein Land, welches man nicht unbedingt mit Bürokratie-Effizienz in Verbindung bringt, war das schon bemerkenswert.
Was mich dann allerdings doch kurz aus dem Konzept brachte, war der Typ in Uniform, der mich am Kontrollpunkt musterte.
Der war höchstens zwölf Jahre alt. Ich übertreibe nicht. Ein Kind in Uniform, der da stand, als wäre das die normalste Sache der Welt. Und er selbst schien das auch so zu sehen, denn er war extrem locker und entspannt dabei. Kein bisschen nervös, kein bisschen unsicher. Einfach so ein Kindersoldat, der seinen Job macht, als wäre er schon sein halbes Leben dabei. Was wohl fast auch stimmt.
Willkommen in Kasachstan.
Ich holte mir noch schnell Bargeld am nächsten Automaten und auch das Taxi zum Hotel war dann unkompliziert. Draußen war es dunkel und ich versuchte, durch die Scheibe noch irgendetwas von Aktau zu erkennen. Erster Eindruck: flach, weit, anders. Mehr konnte man bei dieser Dunkelheit nicht sagen.
Am Hotel angekommen checkte ich ein, warf meinen Rucksack ins Zimmer und ließ mich aufs Bett fallen.
Was für ein langer Tag. Köln, Istanbul, Aktau, Kasachstan. Alleine. An meinem Geburtstag.
Auf direktem Wege wurde dann geschlafen.



Aktau Sehenswürdigkeiten: Steilküste am Kaspischen Meer und die erste Party des Urlaubs
Montag 06.10. Tag 2
Nach dem langen ersten Tag und dem nicht ganz kurzen Abend, war heute Morgen erstmal ausschlafen angesagt. Und damit meine ich wirklich ausschlafen. Kein Wecker, kein Flieger, kein gar nichts.
Nachdem ich also halbwegs erholt aus den Federn kam, machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Und wenn man Aktau zum ersten Mal bei Tageslicht auf sich wirken lässt, dann ist das schon... sagen wir mal eine Erfahrung. Die Stadt ist geprägt von massiven Sowjetbauten, welche aussehen, als hätten sie seit der letzten Renovierung ungefähr genau so viel Pflege bekommen wie die Passagiere am Flughafen Istanbul nach acht Stunden Verspätung. Und die Karren hier passen sich dem Sowjet-Charme perfekt an – die meisten Autos haben optisch wohl die gleiche Ära miterlebt, wie die Gebäude.
Zunächst war erstmal ein Supermarkt das Ziel, um mich einzudecken und mir einen ersten Eindruck zu verschaffen. Zentralasien im Supermarkt ist immer eine eigene Welt. Irgendwie alles gleichzeitig vertraut und komplett fremd. Nach dem obligatorischen Supermarktbesuch folgte dann natürlich das erste lokale Bier. So gehört es sich schließlich.
Rund um das Stadtzentrum war allerdings wirklich nicht viel los. Hier ist quasi nix. Und das meine ich absolut ernst. Alles wirkte irgendwie ein wenig eingestaubt und abgeranzt, was dem Ganzen aber gleichzeitig einen sehr authentischen Charme verlieh. Es gibt Orte auf der Welt, die versuchen touristisch zu sein und dann gibt es Aktau.
















Da die Stadt selbst mich nicht allzu lange fesseln konnte, zog es mich Richtung Küste. Das Wetter spielte perfekt mit und das Wasser des Kaspischen Meeres war am heutigen Tag gut aufgelegt. So schönes Wasser hätte ich hier nicht unbedingt erwartet.
Ich ging entlang der Steilküste und ließ mir einfach die Sonne ins Gesicht scheinen. Die Steilwände mit dem funkelnden Wasser darunter hatten wirklich was. Sowas muss man einfach selber gesehen haben.




























An einem kleinen Steg angekommen, sah ich einige Boote liegen. Spontan wie immer, ging es dann auch auf ein solches, für eine kleine Rundfahrt.
Was nun folgte war... kurios. In mehrerlei Hinsicht.
Die Wellen am Bootsanleger waren nämlich absolut krank. Von wegen ruhige Kaspische See. Das Boot selbst schien außerdem noch ein paar Macken zu haben, welche bei ruhigem Wasser vielleicht nicht aufgefallen wären, aber bei diesen Wellen dann doch ganz deutlich zu spüren waren. Und als wäre das alles noch nicht genug, wurde aus den vorhandenen Boxen Musik in einer extremen Lautstärke aufgedreht.
Was dann aber das wohl unterhaltsamste an dieser Bootsfahrt war: Ich war offensichtlich die absolute Attraktion des Tages. Die anderen Leute auf dem Boot, ausnahmslos Einheimische, wollten alle unbedingt Fotos mit mir machen. Eine komplette Fotosession entstand damit quasi von alleine und ich stand dort und fragte mich, was zur Hölle hier gerade wieder passiert.
Die Fahrt entlang der Steilwände war trotz aller Wildheit wirklich sehenswert.








Zwischendurch passierten wir noch einen Leuchtturm, welcher auf einem Haus gebaut war. Ja, einfach so. Auf einem normalen Wohnhaus. Ich glaube, hier hinterfragt man nicht warum. Man nimmt es einfach hin.
Das Runtersteigen vom Boot bei diesen Wellen war dann ebenfalls nochmal ein kleines Abenteuer für sich. Aber alles gut gegangen.
Danach ging es zu Fuß die Promenade entlang. Das Wasser hier war wirklich schön und so setzte ich mich einfach mit einem Bier an den Strand und schaute aufs Wasser. Genau solche Momente braucht es einfach auf einer Reise.


































Beim Weiterschlendern durch die Stadt gab es dann doch noch einige interessante Dinge zu entdecken. In einem Park stand ein alter Kampfjet als Statue aufgestellt. Nicht ungewöhnlich für diese Region hier, aber definitiv ein Hingucker. Außerdem gab es ein heiliges Feuer zu sehen und die typischen Sowjetstil-Fassaden, welche mit ihren Hausmalereien eine ganz eigene Atmosphäre verbreiteten. Das alles zusammen gibt Aktau insgesamt eine ganz coole Stimmung.




















































Irgendwann landete ich dann in einer Kneipe, die ich als... sagen wir mal rustikal beschreiben würde. Geil asozial trifft es aber wahrscheinlich besser. Hier gab es zwei Bier und etwas zu essen und ich fühlte mich pudelwohl. Genau diese Art von Kneipe sucht man doch. Kein Touristenkram, einfach nur echt.
Nach dem kurzen Halt, zu Fuß zurück ins Hotel, Sachen abgelegt und dann direkt wieder raus. Diesmal per Taxi zu einer Bar.
Und nun kommt die Geschichte des Tages.
Mein kasachischer Taxifahrer fragte woher ich komme. Als ich sagte aus Dortmund, konnte er es schlichtweg nicht fassen. Der Mann war nämlich offensichtlich größter BVB Fan.
Was dann folgte, war eine völlig aufgedrehte Taxifahrt mit einem Mann, der mir alles mögliche über Borussia Dortmund erzählte, sogar Dinge, die ich nichtmal wusste. Er war sowohl bei den aktuellen Transfergerüchten, als auch bei Vereinspolitischen Dingen offensichtlich besser bewandert als ich. Er zeigte mir noch seinen Instagram-Account, welcher „NameBVB09“ lautete. Also damit hatte ich jetzt hier definitiv nicht gerechnet. Die Taxifahrt war am Ende, trotz Diskussion meinerseits, umsonst.
Unter echten Borussen macht man das so, sagte er.
Wieder komplett absurd. Ich sage es euch. Ein Taxifahrer, der vor Freude fast aus dem Auto fällt, weil ich aus Dortmund komme. In Kasachstan.
Endlich in der Bar angekommen, bestellte ich mir ein Steak für keine 10 Euro inklusive Beilage. Während ich noch genüsslich am Essen war, fing dann plötzlich die absolute Party um mich rum an. Aus dem Nichts heraus war die Tanzfläche voll, die Musik laut und was zuvor ein ruhiges Restaurant war, hatte sich in eine richtige Partylocation verwandelt.
Na, wenn das mal kein Zeichen war.
Es folgte ein Abend der verschiedenste Bars und Diskos mit sich brachte und der am Ende darin resultierte, dass ich um 7 Uhr morgens ins Bett fiel.
Wilder Abend. Aber genau so soll Reisen sein.




Kaspisches Meer: Naturwunder an der Steilküste von Aktau
Bootstour auf dem Kaspischen Meer: Wellen, Bass und Fotosessions
Lost Places & Sowjet-Kultur: Kampfjets und Wandmalereien im Park
Rustikale Kneipen statt Touristenkram & Das Nachtleben von Aktau

Aktau Tag zwei - zwischen Kater, Küste und Sonnenuntergang am Kaspischen Meer
Samstag 07.10. – Tag 3
Aua.
Kater des Todes.
Was gestern Abend noch wie ein ganz normaler Abend angefangen hatte, endete bekanntlich irgendwann gegen 7 Uhr morgens. Und nun war es 14:30 Uhr und ich lag noch immer komplett verklatscht in meinem Hotelbett und versuchte mich daran zu erinnern, wie ich eigentlich wieder hier rein gekommen bin.
Ich lag also da und starrte an die Decke und die Decke starrte zurück. Mein Kopf dröhnte ordentlich und das Zimmer hatte gefühlt eine eigene Meinung dazu, in welche Richtung es sich drehen wollte.
Nach einer gefühlten Ewigkeit kämpfte ich mich dann irgendwann doch aus dem Bett. Zähne putzen. Wasser trinken. Nochmal Wasser trinken. Und dann noch etwas mehr Wasser trinken.
Zum Glück stand heute mal absolut gar nichts auf dem Tagesplan.
Draußen war es bereits mega warm. Das merkte ich bereits, als ich das Hotel verließ und die kasachische Oktobersonne mir direkt ins Gesicht knallte, was meinem Kopf keineswegs gut tat.
Zu Fuß ging es also los, langsam und ohne großen Plan, einfach mal schauen was die Stadt sonst so zu bieten hat.
Aktau bei Tag ist einfach eine interessante Angelegenheit.
Es ist halt wirklich nicht schön hier. Das muss man so sagen. Die Stadt ist geprägt von sowjetischer Planarchitektur, die schon bessere Tage gesehen hat und Straßen, die gefühlt für dreimal so viele Autos gebaut wurden, als hier tatsächlich fahren. Dazwischen immer mal wieder ein Kiosk, ein verwittertes Sowjet-Wandgemälde an einer Hauswand und Autos, die aussehen, als wären sie direkt aus den frühen 90ern ins Hier und Jetzt teleportiert worden.
Ich brauchte erstmal was zu essen.
Nach einigen Metern fand ich eine Fressbude am Straßenrand. Ich deutete auf irgendwas, das nach Burger aussah und hoffte das Beste.
Was kam, war ein ordentlicher Burger im Menü mit Pommes. Mein Magen war dankbar. Mein Kopf immer noch nicht vollständig auf meiner Seite.












Ich setzte mich in eine Bar unten am Wasser.
Ein Wasser. Dann noch ein Wasser. Dann eine Cola. Ich saß dort und döste vor mich hin, während kasachisches Fernsehen lief und irgendeine Art Quizshow auf einem verstaubten Bildschirm flimmerte.
Es gibt Momente auf Reisen, wo man einfach nur sitzt und existiert. Das hier war so ein Moment.
Nach einer Weile wurde es dann doch besser und als die Sonne anfing, sich Richtung Horizont zu verabschieden, raffte ich mich auf, um nochmal runter an die Küste zu gehen.
Und wow.
Also wenn Aktau eines hat, dann ist es diese Küste.
Das Kaspische Meer in der Abenddämmerung ist wirklich eine andere Klasse. Das Wasser leuchtet in diesem irren türkis und blau und zusammen mit dem langsam orange werdenden Himmel, ergibt das eine Kombination, die schon was hat. Dass so etwas hier existiert, in einer Stadt, die ansonsten so aussieht, als hätte der Kommunismus sie fertiggebaut und dann das Licht ausgemacht, das versteht man erstmal nicht.
Ich ging also entlang des Wassers mit einem kühlen kasachischen Bier in der Hand, das ich mir an einem der kleinen Stände geholt hatte.
Der Sonnenuntergang, der sich dann über dem Kaspischen Meer abspielte, war wirklich mega.
Ich blieb lange dort sitzen. Um mich herum waren einige Kasachische Touristen und es gab sogar ein Ponyreiten für die Kids. Einfach so auf der Promenade. Einfach nichts hinterfragen.




















Irgendwann meldete sich dann auch der Magen wieder zu Wort und zwar dieses mal mit ernsthafteren Ansprüchen, als ein notdürftiger Kater Burger.
Es ging also die Küste entlang und nach etwas Suche fand ich ein Steak-Restaurant mit direktem Blick aufs Wasser.
Für keine 20 Euro gab es ein ordentliches Steak mit Beilagen und gleich drei Getränken dazu.
Ich saß also alleine an einem Tisch, aß ein gutes Steak, schaute auf das Wasser und sah der Sonne zu, wie sie endgültig verschwand.












Nachdem ich fertig mit essen war, schrieb ich meinem kasachischen BVB Kumpel, ob er Lust hat, mich abzuholen.
„Ja klar“ hieß es und keine viertel Stunde später stand er auch schon vorm Restaurant.
Ich musste lachen.
Der Typ hat mich tatsächlich wieder abgeholt.
Dieses Mal ließ ich mich aber nicht abfrühstücken und konnte zumindest einige wenige kasachische Tenge für den Service loswerden.
Nach Ankunft im Hotel, ging es dann aber zügig ins Bett.
Katerstimmung und Sonnenuntergang am Kaspischen Meer
Günstiges Steak mit Meerblick und Sonnenuntergang

Die nächsten zwei Tage führten mich mitten durch staubige, endlose Ölfelder tiefer hinein in die Region Mangystau. Was mich dort erwartete, ließ sich kaum in Worte fassen: Eine Landschaft wie von einem anderen Planeten, surreale Felsformationen und das absolute Highlight – mein Zelt stand direkt an den gigantischen Fels-Türmen. Es war eine Nacht im Nirgendwo unter Millionen Sternen und mit Ausblicken, bei denen ich zweimal hinschauen musste, um zu glauben, dass das hier noch die Erde war. Die Kamera lief ab da im Dauerbetrieb!
